Tilman Lucke
DER TOTE BOTE

Als Kostprobe aus dem aktuellen Programm "Bildungslucke" soll die Moritat "Der tote Bote" zum Nachdenken anregen und vor dem Versenden von Lebensmitteln per Post warnen. Durch die engagierte Mitarbeit vieler Kabarettfreunde aus nah und fern konnte von dieser liedgewordenen Mahnung eine Vielzahl an Übersetzungen erstellt werden, die auf dieser Seite abgerufen werden können und hoffentlich zukünftiges Leiden der Postboten dieser Welt zu verhindern helfen.

Der tote Bote

Sprachen (als pdf):

berlinisch: Der Fannekuchen

englisch: The postman's demise
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französisch: Le cadavre du facteur

hochdeutsch: Der tote Bote
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Boten-Noten
Gitarrenakkorde

lateinisch: De nuntio mortuo
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schottisch: Th' deid postman

schwäbisch: De dode Bode
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spanisch: El cartero muerto

Die Post
im Stadtteil Ost
kommt heute nicht,
weil der tote Bote dort umringt von Leuten liegt.
In dem Auto sitzt er tot
im totalen Haltverbot
und hält friedlich in der Hand 'ne Scheibe Brot.

Der Täter konnte unerkannt entweichen.
Und auf dem Toastbrot klebt ein Postwertzeichen;
drunter steht - nach Vorschrift zwei -
wem das Brot geschrieben sei,
und der Absender natürlich auch dabei.

Das ist die Ballade von dem Mann,
der ein Brot verschicken wollte und nicht kann.
Er erschlug den Boten fix,
doch das nützte leider nix,
denn das Brot kam dadurch auch nicht schneller an.

Der Mann hat sich verliebt in eine Dame.
Er kannte nur Geburtstag, Haus und Name.
Er hätt' sie so gern liebkost,
sie wird dreißig morgen, prost!
Darauf sprach und schickte er ihr einen Toast.

Doch hätte er's geschrieben früher nuhuhur!
Die letzte Leerung war um vierzehn Uhuhur!
Blickt auf seine Uhr entsetzt -
kurz vor zwei ist's eben jetzt -
und ist außer sich zum Briefkasten gewetzt.



Das ist die Ballade von dem Mann,
der ein Brot verschicken wollte und nicht kann.
Er erschlug den Boten fix,
doch das nützte leider nix,
denn das Brot kam dadurch auch nicht schneller an.

Von weit sieht er: Der Postmann leert den Kasten.
Er gibt das Brot ihm, dieser pöbelt: "Was denn?
Ich beförd're doch kein Brot!"
Und der Mann in seiner Not
schlug den Postmann - um den Brotes willen - tot.

Er setzte ihn schockiert zurück an Bord,
gab ihm das Brot noch, deshalb war er dort.
In der Notsituation
lief er weg. Zu Hause schon
sprach ein Polizist zu ihm in ernstem Ton:

Das ist die Ballade von dem Mann,
der ein Brot verschicken wollte, aber leider nicht mehr kann.
Er erschlug den Boten fix,
doch das nützte leider nix,
denn das Brot kam dadurch auch nicht schneller an.

Nun sitzt im Knast er, traurig und geknickt,
kriegt täglich Wasser und auch Brot geschickt.
Doch die Frau, die er verliert,
hat das Brot nicht mal berührt.
(Es kam zurück, denn es war nicht korrekt frankiert.)

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